Anmelden

Katers Welt

Sonderkolumne der Deka 

Katers Welt

Sonderkolumne der Deka 

In seiner wöchentlichen Kolumne gibt Dr. Ulrich Kater, Chefsvolkswirt der DekaBank - dem Wertpapierhaus der Sparkassen - seine Einschätzung zu aktuell relevanten Themen. 

Durchatmen in bewegten Zeiten

Entspannungan den Finanzmärkten. Eine konstruktive Pause bei den Zollverhandlungen zwischen den USA und China, gute Wirtschaftsdaten und keine weitere Zuspitzung der angespannten finanziellen Lage einiger Schwellenländer haben die Märkte durchatmen lassen. Aus Italien kamen gemischte Zeichen für den anstehenden Haushaltsentwurf, allerdings bemüht sich die Regierung darum, den finanzpolitischen Rahmen so gut es geht einzuhalten. Selbst bei den lange Zeit festgefahrenen Brexit-Verhandlungen machen Beobachter zarte weiße Wölkchen aus. Ein harter Brexit kann vermieden werden, wenngleich die Austrittsvereinbarung viele strittige Punkte offen lassen könnte. Doch summa summarum wurden einige angespannte Marktsegmente wie die Schwellenländerwährungen, italienische Staatsanleihen oder auch der breite Aktienmarkt in Europa etwas entlastet.  

Dennoch bleibt das weltwirtschaftliche Umfeld sehr unruhig. Beruhigungen bei den Risikothemen können schnell wieder neuen Stressphasen weichen, die hakenschlagende Verhandlungsführung der US-Regierung in Handelsfragen ist hierfür nur ein Beispiel. Von harten wirtschaftlichen Daten werden in der neuen Woche kaum Impulse ausgehen. In Europa werden die die Einkaufsmanagerindizes für den September keine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal 2018 andeuten. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Wirtschaft in Euroland an Dynamik verloren. Allerdings lassen die jüngsten gemäßigten Töne aus Italien zur geplanten Haushaltsentwicklung und die zunächst stabilisierte Lage in der Türkei auch keinen spürbaren Rückgang der Einkaufsmanagerindizes erwarten.

Frankfurt, 14. September 2018

Darf’s ein bisschen weniger sein?

Schritt für Schritt ging es in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten abwärts – auch in den Vereinigten Staaten, wenngleich dort etwas langsamer als hierzulande. Die Gründe für die Schwäche sind nicht neu: die Drohung aus den USA, den Handelskonflikt mit China weiter eskalieren zu lassen, und die schwelende Währungskrise in Schwellenländern wie Türkei, Argentinien oder Südafrika. Neu ist lediglich, dass sich die Märkte nach Abschluss der insgesamt positiv verlaufenen Quartalsberichtssaison wieder stärker auf die Krisengeschichten konzentrieren. Da wird schnell mal zumindest für eine Weile vergessen, dass der globale Aufschwung weiterhin stabil ist, insbesondere dank des starken US-Wachstums. Vergleichsweise ruhig ging es zuletzt bei den 10-jährigen Bund-Renditen und bei Gold zu, wo sich die Kurse weitgehend seitwärts bewegten.

Selbst wenn es wohl zu keiner ausgewachsenen Schwellenländer-Krise kommen wird, dürften die Sorgen
hier in der näheren Zukunft kaum geringer werden. Denn das Umfeld steigender Zinsen in den Industrieländern belastet, und zwar insbesondere die Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und Auslandsschulden. In der kommenden Woche wird die Europäische Zentralbank wohl am Donnerstag im Zuge ihres Zinsentscheids eine weitere Reduktion ihrer monatlichen Wertpapierkäufe beschließen und damit ihren Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik fortsetzen. Nicht minder interessant wird die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten,
bei denen wir die Bestätigung eines moderat aufwärtsgerichteten Trends erwarten.

07. September 2018 

Trump macht die Börse

Licht und Schatten an den Aktienbörsen weltweit: Die Rekordjagd der US-Aktien ging in dieser Woche weiter und wurde von Fortschritten bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und Mexiko sowie Kanada unterstützt. Gegen Ende der Woche dann ein „typischer Trump“: In einem Interview deutete er an, dass er in der kommenden Woche beschließen werde, chinesische Exporte in Höhe von 200 Mrd. USD mit Zöllen zu belegen. Dies ließ die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten wieder deutlich ansteigen. Gleiches galt für seine Reaktion auf den Vorschlag der EU, Zölle auf Autos generell abzuschaffen, den er als „nicht gut genug“ bezeichnete. Die Folge: Die Rendite 10-jähriger Bunds prallte deutlich an der Marke von 0,40 % ab, Schwellenländer-Anlagen, Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten und Rohstoffe verloren deutlich. Europäische Aktien gaben ihre Wochengewinne wieder ab.

 Insbesondere die Lage in einigen Schwellenländern beunruhigt die Marktteilnehmer. Die Türkei und Argentinien werden mehr und mehr als Spitze eines Eisbergs wahrgenommen.
Auch zahlreiche andere Schwellenländer haben Probleme mit steigenden Zinsen und sinkenden Wechselkursen. In der kommenden Woche stehen Daten aus den USA im Fokus: Im August dürfte der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe nach einem Rücksetzer im Juli wieder etwas ansteigen. Für den US-Arbeitsmarkt deuten die Frühindikatoren zwar auf einen etwas schwächeren Beschäftigungsaufbau hin. Gleichwohl dürfte dieser hinreichend hoch sein, um einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote zu erreichen.

31. August 2018

Atempause an den Börsen

Für die Finanzmärkte war es eine ruhige Woche inmitten des politischen Getöses. Die türkischen Märkte waren feiertagsbedingt geschlossen, im Handelsstreit zwischen den USA und China gab es Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, und das gab dem DAX Gelegenheit zu einer leichten Kurserholung. Unterstützend wirkte sich aus, dass die Einkaufmanagerindizes für die großen europäischen Länder in dieser Woche nach den Verlusten der Vormonate wieder angestiegen sind und damit auf eine Fortsetzung der guten Konjunktur auch bei eingetrübtem Handelsklima hindeuteten. Vor dem Hintergrund guter Konjunkturzahlen holte auch der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder etwas auf. Hier kam hinzu, dass der US-Präsident ziemlich offen die eigene Notenbank wegen steigender Leitzinsen kritisierte. Da der Präsident die Geldpolitik jedoch wohl kaum beeinflussen können wird, sollte sich dieser Effekt als kurzlebig erweisen.

Absehbar: Abbröckelnde Inflationszahlen

In den kommenden Tagen dürften die alten Themen auf die finanzielle Agenda zurückkommen. Die Währungskrise in der Türkei ist alles andere als gelöst. Und die Diskussion um weitere Strafzölle dürfte weitergehen. Unterdessen darf auch die Entwicklung von Wirtschaft und Inflation nicht aus den Augen gelassen werden. Der Ifo-Geschäftsklimaindex  sollte die wieder aufgehellten Konjunkturperspektiven durch einen leichten Wiederanstieg bestätigen. Schließlich wird Ende der Woche die Veröffentlichung der neuesten Inflationsraten einen Preisanstieg von knapp über zwei Prozent ausweisen. Dies reicht allerdings noch nicht aus, um auch in Europa höhere Zinsen
hervorzurufen. Ein Abbröckeln der Inflationszahlen in den kommenden Monaten ist jetzt bereits absehbar.

24. August 2018 

Türkische Woche

Die wirtschaftliche und politische Entwicklung in der Türkei hielt die Märkte in dieser Woche in Atem. Die erneute Stärke des US-Dollars setzt die Finanzsysteme vieler Schwellenländer unter Druck, und zwar umso mehr, je höher deren Verschuldung in harter Währung ist und je mehr ein Land mit eigenen Zinserhöhungen gegensteuern muss. Von der Türkei gingen hauptsächlich Signale aus, dass man sich der Logik der Finanzmärkte nicht anschließen wolle. Die eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen werden an den Märkten als nicht nachhaltig angesehen. Als Handelspartner für Europa ist die Türkei mit einem Anteil an den Exporten von knapp 3 Prozent nicht sehr groß, und für das europäische Finanzsystem sind die Risiken verkraftbar. Diese Haltung setzte sich zum Ende der Woche durch und führte zu Kurserholungen an den Aktienmärkten, unterstützt durch positive Zeichen im Handelsstreit zwischen den USA und China. Zunehmend rückt die finanzpolitische Lage in Italien in den Fokus der Märkte. Sollte der Haushaltsplan, zusätzlich getrieben von den tragischen Ereignissen in Genua, gravierend von den Regeln der Währungsunion abweichen, drohen heftige Reaktionen an den Anleihemärkten mit Ausstrahlungen auf Aktien. In der kommenden Woche geben die Einkaufsmanagerindizes Auskunft über die aktuelle Konjunkturentwicklung. In der zweiten Wochenhälfte findet in Jackson Hole (USA) unter Beteiligung der Fed die wichtigste geldpolitische Notenbankentagung des Jahres statt. Grundlegende Neuausrichtungen zu den US-Zinsen sind allerdings nicht zu erwarten.

 

17. August 2018

i