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Katers Welt

Sonderkolumne der Deka 

Katers Welt

Sonderkolumne der Deka 

In seiner wöchentlichen Kolumne gibt Dr. Ulrich Kater, Chefsvolkswirt der DekaBank - dem Wertpapierhaus der Sparkassen - seine Einschätzung zu aktuell relevanten Themen. 

Im Bann des Brexit

Der Brexit-Deal zwischen der britischen Regierung und der EU-Kommission bestimmte in dieser Woche die Schlagzeilen und den Kurs des Britischen Pfundes. Die Ereignisse zeigen, wie schwierig es für einen kleineren Partner ist, wirtschaftliche Interessen gegenüber einem mehrfach größeren Markt durchzusetzen. Wirtschaftliche Offenheit schränkt die eigene Souveränität ein, und zwar unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Union – das ist die Lehre des bisherigen Brexit-Projekts. Neben der Abwertung des Pfundes tragen die unsicheren Perspektiven rund um den Brexit nicht gerade zur Risikobereitschaft bei. Zusammen mit dem ebenfalls unsicheren Konjunkturausblick führten sie zu weiteren Kursrückgängen bei europäischen Aktien und vor allem Unternehmensanleihen. Darin spiegeln sich insbesondere die drohenden Belastungen für das europäische Bankensystem wider.

Die Entwicklung in Euroland hat im dritten Quartal enttäuscht, wie der jüngst gemeldete Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts deutlich machte. In der kommenden Woche werden die Einkaufsmanagerindizes zeigen, wie es weitergeht mit der europäischen Konjunktur. Nach den Rückgängen in den Vormonaten ist mit einer Konsolidierung zu rechnen, insbesondere bei den Teilindizes für Dienstleister und Industrie. Die Konjunktureintrübung bildet sich mittlerweile ausreichend in den Stimmungsindikatoren wie in den Kursen ab. Daneben wird die kommende Woche selbstverständlich weiterhin unter dem Eindruck der Entwicklung im Vereinigten Königreich stehen: Shakespeare hätte es nicht spannender gemacht.

16. November 2018 

Zögerliche Erholung

Investoren schätzen den Wahlausgang in den USA als positiv für Unternehmenswerte ein, wobei Technologieaktien in den USA verlorenes Terrain zurückgewinnen konnten. In Europa war die Kurserholung angesichts vielfältiger Risikofaktoren weitaus zäher. Hauptrisiko bleibt der steigende US-Zinstrend. Zwar beließ die Fed die Leitzinsen unverändert, aber die Erwartungen auf weitere Zinsschritte wurden bestätigt. In Italien geht die unheilvolle Entwicklung weiter: Die Eurogruppe fordert Rom auf, bis zum 13. November einen revidierten Haushaltsplan bei der EU-Kommission einzureichen. Sollte Italien an der aktuellen Politik festhalten, kann ab der ersten Dezemberhälfte ein Defizitverfahren gegen das Land eröffnet werden. Prekärer allerdings wird in den kommenden Monaten die Bereitschaft der Finanzmärkte sein, den enormen Finanzbedarf des italienischen Staates wie der Banken zu erfüllen.

Deutsches Bruttoinlandsprodukt im Fokus

In der kommenden Woche steht Deutschland im Mittelpunkt der Datenveröffentlichungen. Die Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts wird für das dritte Quartal einen Einbruch aufweisen. Die Gründe: eine enttäuschende außenwirtschaftliche Nachfrage und Produktionsdrosselungen der deutschen Automobilindustrie. In den USA steht die Entwicklung der Inflation im Mittelpunkt. Die US-Verbraucherpreise dürften im Oktober relativ kräftig gegenüber dem Vormonat angestiegen sein. Knapp die Hälfte des Anstiegs beruht auf volatilen Energiepreisen, die aktuell schon wieder deutlich zurückgehen. Insgesamt werden die Daten bestätigen, dass die grundsätzliche Inflationsentwicklung im Zielbereich der amerikanischen Notenbank liegt.

9. November 2018

Erholung an den Aktienmärkten

Nach den schmerzhaften Verlusten an den Aktienmärkten im Oktober setzte in dieser Woche die Erholung ein. Die Risikowahrnehmung ging zurück. Die Erholung der Aktienkurse basiert neben technischen Faktoren auf weiterhin guten Unternehmensberichten im dritten Quartal. Wirtschaftsdaten spielten hingegen eine eher geringe Rolle. Einige Frühindikatoren bestätigten die begonnene langsame und moderate Abkühlung der Konjunktur, ohne dass dabei mit stärkeren Einbrüchen bei der Wirtschaftsaktivität zu rechnen ist. Auch der Ölpreis gab weiter nach. Die Notenbanken bekundeten erneut, von ihren angekündigten Maßnahmenpfaden nicht abweichen zu wollen. Auch die Risiken um die italienischen Staatsfinanzen kümmerten in dieser Woche wenig, selbst wenn nach dem Nullwachstum im dritten Quartal die Wachstumsziele im kommenden Jahr kaum
mehr erreichbar erscheinen.  

US-Kongresswahlen beeinflussen Handelspolitik wenig

Die positive Reaktion der Aktienmärkte auf den Kommentar von US-Präsident Trump, dass er eine Übereinkunft im Handelskonflikt mit China anstrebe, unterstreicht die hohe Bedeutung des Treffens zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi beim G20-Gipfel in Buenos Aires Ende November. Auch wenn ein schneller Vertragsabschluss illusorisch erscheint, würde der Beginn von Verhandlungen im Markt zumindest die Sorgen vor einer Verschärfung der Handelssanktionen und den damit verbundenen Konjunkturrisiken dämpfen. Die in der kommenden Woche anstehende Kongresswahl in den USA wird die Handelspolitik des Präsidenten
wenig beeinflussen, denn selbst wenn die Demokraten die Mehrheit erobern, kann Trump in Handelsfragen weitgehend autonom entscheiden.

2. November 2018

Oktober 2018

Konjunktursorgen lasten auf den Aktienmärkten

Der Oktober macht seinem Image an den Aktienmärkten alle Ehre. Auch in der zweiten Hälfte setzten sich die Kursverluste international fort. Die Renditen gaben leicht nach, der US-Dollar tendierte fester. Hinter diesen Bewegungen stecken Unsicherheiten um den Fortgang der Konjunktur. Das ist nach einem fast ein Jahrzehnt andauernden Aufschwung in den USA und in Europa nichts Ungewöhnliches und war eigentlich auch erwartet worden. In einer solchen Lage wirken sich jedoch politische Unsicherheiten wie Handelsstreit, Brexit oder Italien doppelt negativ aus. Die Diskussion um die Konjunktur wird anhalten, allerdings sind die Aussichten für das kommende Jahr weiterhin solide. Auch das Verhalten der Notenbanken wird jetzt aufmerksam beobachtet. Anders als früher hat aber die US-Fed bereits signalisiert, dass die Stabilisierung der Aktienmärkte nicht zu ihren Aufgaben zählt.

Gerade in unsicheren Phasen können Wirtschaftsdaten an den Aktienmärkten besonders wichtig werden. Hier liegt in der kommenden Woche das Augenmerk insbesondere auf den US-amerikanischen Arbeitsmarktzahlen, die als zuverlässiger Gradmesser für die US-Konjunktur gelten. Eine negative Überraschung würde den Konjunkturpessimisten neue Nahrung verleihen. Auf der anderen Seite arbeitet die US-Wirtschaft immer noch unter Hochdruck, wie die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal bestätigt hat. Insgesamt hat der Aktienmarkt jetzt bereits viel, vielleicht zu viel an Risiken eingepreist.

26. Oktober 2018 

Märkte mit italienischen Kopfschmerzen

Die Liste der politischen Risiken bleibt lang, und so konnten sich die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen am ergebnisarmen EU-Gipfel zum Brexit oder auch an Saudi-Arabien abarbeiten. In den Vordergrund drängt sich aus Marktsicht freilich Italien, genauer der ausgabenfreudige Haushaltsentwurf, den die Regierung der EU-Kommission vorgelegt hat. Erste Reaktionen aus Brüssel deuten darauf hin, dass der Haushaltsplan mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückgewiesen wird. Da die EU-Kommission diesmal offensichtlich kein „Auge zudrücken“ wird, belastet der politische Konflikt die Marktstimmung. Auch wenn am Ende die steigenden italienischen Finanzierungskosten die Regierung dazu bewegen dürften, Anpassungen am Haushalt vorzunehmen, fiel die Erholung der Aktienmärkte nach der deutlichen Korrektur Anfang Oktober bislang sehr verhalten aus.

Zwischen Anspannung und Gelassenheit

In der anstehenden Woche werden wir sehen, ob und welche Spuren die politischen Risiken bei der Konjunktur hinterlassen. Die Einkaufsmanagerindizes und vor allem das ifo Geschäftsklima werden veröffentlicht. Die Rückgänge der Indikatoren in den vergangenen Monaten hatten mit schon mehr Realismus bei der Unternehmensstimmung einziehen lassen. Weitere Rückgänge müssen vom Markt erst einmal verdaut werden. Die Europäische Zentralbank wird sich am Donnerstag mit ihrer Politik und den Perspektiven für die Inflation wohl gelassen zeigen. Wenn am Wochenschluss dann noch ordentliches Wachstum aus den USA vermeldet wird, dürfte dies die Konjunktursorgen etwas dämpfen.

19. Oktober 2018

Korrekturwelle aus Amerika

In der zweiten Oktoberwoche sind die weltweiten Aktienmärkte in Bewegung gekommen, dieses Mal ging es nach unten. Der US-amerikanische S&P-Index verlor teilweise mehr als 6 Prozent, der europäische Eurostoxx mehr als 4 Prozent, der Dax ebenfalls. Die Bewegung ging von den Vereinigten Staaten aus und hatte keinen erkennbaren Anlass. Trotz des Rückwärtsgangs liegen die Kurse in den USA seit Jahresbeginn immer noch mit einem Plus von etwa 2 Prozent vorn. Der US-Dollar tendierte etwas schwächer, was gegen eine gesteigerte Risikowahrnehmung mit Flucht in die sicheren Häfen spricht. Die Anleihemärkte reagierten mit einem Rückgang der Renditen in einem in den letzten Wochen deutlich ansteigenden Trend. Es gab keine Ansteckungseffekte in Richtung Schwellenländer. Die Tatsache, dass der IWF seine Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft um zwei Zehntel heruntergenommen und die weltweite Verschuldung als zu hoch bezeichnet hat, war keine Neuigkeit und war insofern nicht der Grund für die Kursbewegungen. Die fundamentale Umgebung der Finanzmärkte bleibt unverändert: Weder gibt es neue Informationen zur Konjunktur noch zur Politik der Notenbanken, die ihren seit langem angekündigten geldpolitischen Pfad planmäßig beschreiten.

Wirtschaftliche Verfassung besser als die aktuelle Stimmung

Größere Konjunkturdaten stehen in der kommenden Woche nicht an. In bewegteren Zeiten an den Aktienbörsen können jedoch alle Arten von Daten vorübergehend marktbewegend wirken. In der kommenden Woche wird das chinesische Bruttoinlandsprodukt erwartet. Obwohl viele Indikatoren auf eine Abschwächung auch in China
hinweisen, werden die Zahlen dies nicht widerspiegeln. Insgesamt ist die fundamentale Lage allerdings nicht so schlecht, wie es die Stimmung nahelegt. Ob es ein freundliches Jahresende an den Märkten gibt, hängt auch vom Ausblick der Unternehmen in der Quartalsberichterstattung an, die gerade begonnen hat. Schließlich werden auch die politischen Themen, wie der Haushaltsstreit in Italien oder die Handelskonfrontation mit China immer wieder Schlagzeilen liefern, die ihre Spuren in den Kursverläufen zeigen.

12. Oktober 2018

Politik treibt Märkte vor sich her

Einmal mehr waren die Märkte in dieser Woche Spielball der Politik. Insbesondere der Haushaltsstreit mit Italien belastete die Stimmung. Nachdem die EU-Kommission klar gemacht hatte, dass sie den italienischen Haushaltsentwurf in der vorliegenden Form ablehnen würde, sprach Regierungschef Di Maio von „Marktterrorismus“, der von der EU geschürt würde. Ein Berater der rechtspopulistischen Lega spekulierte gar über eine eigene Währung. Doch schon einen Tag später schien Rom um Deeskalation bemüht und brachte eine verringerte Defizitprognose ins Spiel. Erfreulich war aus Marktsicht die Einigung der USA mit Kanada und Mexiko auf eine NAFTA-Reform. Auch die US-Konjunktur läuft weiter prächtig. Vom Arbeitsmarkt kamen starke Signale, und entsprechend schätzte US-Notenbankchef Powell die Entwicklung der Konjunktur als „bemerkenswert positiv“ ein, was die Anleihemärkte mit merklichen Renditeanstiegen quittierten.

IWF-Tagung wartet mit aktualisierten Konjunktur-Prognosen auf

In der kommenden Woche müssen die Märkte die Wahlergebnisse aus Brasilien einordnen. Dort macht sich der rechtspopulistische Kandidat Bolsonaro Hoffnungen, in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl zu ziehen und Präsident Temer abzulösen. Interessant wird auch die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Indonesien ab Montag werden. Dabei werden die aktualisierten Konjunkturprognosen für die Weltwirtschaft veröffentlicht. Bei den Gesprächen zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Notenbanken dürften die Handelsstreitigkeiten eine wichtige Rolle spielen.

05. Oktober 2018 

September 2018

Zinsen steigen – zumindest in den USA

In den Vereinigten Staaten steigen die Zinsen. Die Notenbank Fed hob wie erwartet die Zinssätze um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent und zog damit die finanziellen Umfeldbedingungen für die US-Volkswirtschaft weiter an. Doch damit wahrscheinlich noch nicht genug für 2018: Der Markt taxiert die
Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts im Dezember auf etwa 80 Prozent. Auch im kommenden Jahr wird die Fed die Zinsen weiter anheben. Darauf müssen sich die Akteure erst noch einstellen, denn viele waren von dauerhaft niedrigen Zinsen ausgegangen. In Europa kam keine Euphorie über die Finanzpläne der neuen italienischen Regierung auf. Ein klar über 2 Prozent liegendes Haushaltsdefizit anzustreben, und das für die nächsten Jahre, ließ Befürchtungen vor neuen Querelen an den europäischen Finanzmärkten aufkommen. Zusätzlich verhagelte der weiter steigende Ölpreis den Börsianern etwas die Laune. Die Inflationserwartungen dürften energiebedingt leicht nach oben revidiert werden.

In der kommenden Woche dürfte sich der Aktienmarkt mit weiter abkühlenden Konjunkturdaten aus Europa
herumschlagen. Der Einkaufsmanagerindex als konjunktureller Frühindikator könnte für Italien sogar unter die wichtige 50-Punkte-Marke fallen. In den USA dürfte der Arbeitsmarktbericht für September unterstreichen, dass sich die Wirtschaft weiterhin auf einem kräftigen Wachstumspfad befindet. Seit Beginn des Jahres wurden dort durchschnittlich gut 200.000 Stellen pro Monat geschaffen. Mit ähnlicher Dynamik kann man auch für den September rechnen, und das trotz der Flutkatastrophe durch Hurrican Florence. Mit größerer Spannung
beobachten Marktteilnehmer die Lohndaten. Im Schnitt dürften die Stundenlöhne um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat überdurchschnittlich ansteigen.

28. September 2018

Feierlaune an den Börsen

Man soll Feste feiern wie sie fallen, sagt der Volksmund. Unmittelbar nach dem zehnten „Geburtstag“ der Lehman-Pleite erreichten der S&P 500 sowie der Dow Jones neue Höchststände. Da mussten wohl einige Investoren den amerikanischen Märkten hinterhergelaufen und eingestiegen sein, wo doch Aktienrückkäufe die US-Börsen ohnehin seit Monaten treiben. Trotz der Zollentscheidungen der US-Regierung kann die dortige Konjunktur mit soliden Daten aufwarten. Die amerikanische Notenbank ist in ihrem Zinserhöhungszyklus schon sehr weit vorangeschritten, und die Unternehmen überstehen dies offenbar recht gut. Dies ist generell ein positives Signal für die Finanzmärkte, nicht nur in den USA. Und es ist auch ein Hinweis darauf, dass bei fortgesetzter globaler Expansion die anderen Notenbanken tatsächlich den Weg der geldpolitischen Normalisierung gehen können und werden.

Über die Stimmung in Europa werden wir in der kommenden Woche durch verschiedene Indikatoren informiert. Schon am Montag darf man gespannt sein, ob der ifo Geschäftsklimaindex den überraschenden jüngsten Anstieg bestätigen kann. Der Euro festigt sich ein wenig, und die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China belasten die Märkte weiterhin. Da der Ölpreis auf hohem Niveau bleibt, wird die Inflationsrate in der Eurozone im September wohl zunächst bei über 2 Prozent verharren. Dies setzt die Europäische Zentralbank nicht spontan unter Druck, wird aber dennoch ein Hingucker für die Finanzmärkte sein.

21. September 2018

Durchatmen in bewegten Zeiten

Entspannungan den Finanzmärkten. Eine konstruktive Pause bei den Zollverhandlungen zwischen den USA und China, gute Wirtschaftsdaten und keine weitere Zuspitzung der angespannten finanziellen Lage einiger Schwellenländer haben die Märkte durchatmen lassen. Aus Italien kamen gemischte Zeichen für den anstehenden Haushaltsentwurf, allerdings bemüht sich die Regierung darum, den finanzpolitischen Rahmen so gut es geht einzuhalten. Selbst bei den lange Zeit festgefahrenen Brexit-Verhandlungen machen Beobachter zarte weiße Wölkchen aus. Ein harter Brexit kann vermieden werden, wenngleich die Austrittsvereinbarung viele strittige Punkte offen lassen könnte. Doch summa summarum wurden einige angespannte Marktsegmente wie die Schwellenländerwährungen, italienische Staatsanleihen oder auch der breite Aktienmarkt in Europa etwas entlastet.  

Dennoch bleibt das weltwirtschaftliche Umfeld sehr unruhig. Beruhigungen bei den Risikothemen können schnell wieder neuen Stressphasen weichen, die hakenschlagende Verhandlungsführung der US-Regierung in Handelsfragen ist hierfür nur ein Beispiel. Von harten wirtschaftlichen Daten werden in der neuen Woche kaum Impulse ausgehen. In Europa werden die die Einkaufsmanagerindizes für den September keine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal 2018 andeuten. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Wirtschaft in Euroland an Dynamik verloren. Allerdings lassen die jüngsten gemäßigten Töne aus Italien zur geplanten Haushaltsentwicklung und die zunächst stabilisierte Lage in der Türkei auch keinen spürbaren Rückgang der Einkaufsmanagerindizes erwarten.

14. September 2018

Darf's ein bisschen weniger sein?

Schritt für Schritt ging es in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten abwärts – auch in den Vereinigten Staaten, wenngleich dort etwas langsamer als hierzulande. Die Gründe für die Schwäche sind nicht neu: die Drohung aus den USA, den Handelskonflikt mit China weiter eskalieren zu lassen, und die schwelende Währungskrise in Schwellenländern wie Türkei, Argentinien oder Südafrika. Neu ist lediglich, dass sich die Märkte nach Abschluss der insgesamt positiv verlaufenen Quartalsberichtssaison wieder stärker auf die Krisengeschichten konzentrieren. Da wird schnell mal zumindest für eine Weile vergessen, dass der globale Aufschwung weiterhin stabil ist, insbesondere dank des starken US-Wachstums. Vergleichsweise ruhig ging es zuletzt bei den 10-jährigen Bund-Renditen und bei Gold zu, wo sich die Kurse weitgehend seitwärts bewegten.

Selbst wenn es wohl zu keiner ausgewachsenen Schwellenländer-Krise kommen wird, dürften die Sorgen
hier in der näheren Zukunft kaum geringer werden. Denn das Umfeld steigender Zinsen in den Industrieländern belastet, und zwar insbesondere die Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und Auslandsschulden. In der kommenden Woche wird die Europäische Zentralbank wohl am Donnerstag im Zuge ihres Zinsentscheids eine weitere Reduktion ihrer monatlichen Wertpapierkäufe beschließen und damit ihren Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik fortsetzen. Nicht minder interessant wird die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten,
bei denen wir die Bestätigung eines moderat aufwärtsgerichteten Trends erwarten.

07. September 2018 

August 2018

Trump macht die Börse

Licht und Schatten an den Aktienbörsen weltweit: Die Rekordjagd der US-Aktien ging in dieser Woche weiter und wurde von Fortschritten bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und Mexiko sowie Kanada unterstützt. Gegen Ende der Woche dann ein „typischer Trump“: In einem Interview deutete er an, dass er in der kommenden Woche beschließen werde, chinesische Exporte in Höhe von 200 Mrd. USD mit Zöllen zu belegen. Dies ließ die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten wieder deutlich ansteigen. Gleiches galt für seine Reaktion auf den Vorschlag der EU, Zölle auf Autos generell abzuschaffen, den er als „nicht gut genug“ bezeichnete. Die Folge: Die Rendite 10-jähriger Bunds prallte deutlich an der Marke von 0,40 % ab, Schwellenländer-Anlagen, Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten und Rohstoffe verloren deutlich. Europäische Aktien gaben ihre Wochengewinne wieder ab.

 Insbesondere die Lage in einigen Schwellenländern beunruhigt die Marktteilnehmer. Die Türkei und Argentinien werden mehr und mehr als Spitze eines Eisbergs wahrgenommen.
Auch zahlreiche andere Schwellenländer haben Probleme mit steigenden Zinsen und sinkenden Wechselkursen. In der kommenden Woche stehen Daten aus den USA im Fokus: Im August dürfte der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe nach einem Rücksetzer im Juli wieder etwas ansteigen. Für den US-Arbeitsmarkt deuten die Frühindikatoren zwar auf einen etwas schwächeren Beschäftigungsaufbau hin. Gleichwohl dürfte dieser hinreichend hoch sein, um einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote zu erreichen.

31. August 2018

Atempause an den Börsen

Für die Finanzmärkte war es eine ruhige Woche inmitten des politischen Getöses. Die türkischen Märkte waren feiertagsbedingt geschlossen, im Handelsstreit zwischen den USA und China gab es Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, und das gab dem DAX Gelegenheit zu einer leichten Kurserholung. Unterstützend wirkte sich aus, dass die Einkaufmanagerindizes für die großen europäischen Länder in dieser Woche nach den Verlusten der Vormonate wieder angestiegen sind und damit auf eine Fortsetzung der guten Konjunktur auch bei eingetrübtem Handelsklima hindeuteten. Vor dem Hintergrund guter Konjunkturzahlen holte auch der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder etwas auf. Hier kam hinzu, dass der US-Präsident ziemlich offen die eigene Notenbank wegen steigender Leitzinsen kritisierte. Da der Präsident die Geldpolitik jedoch wohl kaum beeinflussen können wird, sollte sich dieser Effekt als kurzlebig erweisen.

Absehbar: Abbröckelnde Inflationszahlen

In den kommenden Tagen dürften die alten Themen auf die finanzielle Agenda zurückkommen. Die Währungskrise in der Türkei ist alles andere als gelöst. Und die Diskussion um weitere Strafzölle dürfte weitergehen. Unterdessen darf auch die Entwicklung von Wirtschaft und Inflation nicht aus den Augen gelassen werden. Der Ifo-Geschäftsklimaindex  sollte die wieder aufgehellten Konjunkturperspektiven durch einen leichten Wiederanstieg bestätigen. Schließlich wird Ende der Woche die Veröffentlichung der neuesten Inflationsraten einen Preisanstieg von knapp über zwei Prozent ausweisen. Dies reicht allerdings noch nicht aus, um auch in Europa höhere Zinsen
hervorzurufen. Ein Abbröckeln der Inflationszahlen in den kommenden Monaten ist jetzt bereits absehbar.

24. August 2018 

Türkische Woche

Die wirtschaftliche und politische Entwicklung in der Türkei hielt die Märkte in dieser Woche in Atem. Die erneute Stärke des US-Dollars setzt die Finanzsysteme vieler Schwellenländer unter Druck, und zwar umso mehr, je höher deren Verschuldung in harter Währung ist und je mehr ein Land mit eigenen Zinserhöhungen gegensteuern muss. Von der Türkei gingen hauptsächlich Signale aus, dass man sich der Logik der Finanzmärkte nicht anschließen wolle. Die eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen werden an den Märkten als nicht nachhaltig angesehen. Als Handelspartner für Europa ist die Türkei mit einem Anteil an den Exporten von knapp 3 Prozent nicht sehr groß, und für das europäische Finanzsystem sind die Risiken verkraftbar. Diese Haltung setzte sich zum Ende der Woche durch und führte zu Kurserholungen an den Aktienmärkten, unterstützt durch positive Zeichen im Handelsstreit zwischen den USA und China. Zunehmend rückt die finanzpolitische Lage in Italien in den Fokus der Märkte. Sollte der Haushaltsplan, zusätzlich getrieben von den tragischen Ereignissen in Genua, gravierend von den Regeln der Währungsunion abweichen, drohen heftige Reaktionen an den Anleihemärkten mit Ausstrahlungen auf Aktien. In der kommenden Woche geben die Einkaufsmanagerindizes Auskunft über die aktuelle Konjunkturentwicklung. In der zweiten Wochenhälfte findet in Jackson Hole (USA) unter Beteiligung der Fed die wichtigste geldpolitische Notenbankentagung des Jahres statt. Grundlegende Neuausrichtungen zu den US-Zinsen sind allerdings nicht zu erwarten.

 

17. August 2018

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